Geschichte

Die Entstehung der Waldviertler Dorfspiele

Im Jahr 1994 hatte Georg Walter die Idee in der Region eine Art "Olympische Spiele" - die "Dorf-Olympiade" zu veranstalten. Daraus wurden die "Waldviertler Dorfspiele", welche im Jahr 1995 zum ersten Mal in der Gemeinde Grafenschlag ausgetragen wurden.

Das Copyright der Idee und des Konzepts, wie nachstehend beschrieben, liegen bei Georg und Gabi Walter (www.waltergrafik.at). Die Waldviertler Dorfspiele haben sich mittlerweile zur größten kommunalen Veranstaltung des Bezirkes Zwettl entwickelt.

Die Ausgangslage 1994

Die Gemeinde Grafenschlag war 1991 als jener Ort in die Schlagzeilen gekommen, der innerhalb eines Jahrzehnts die höchste Abwanderung in Niederösterreich zu verzeichnen hatte (-18 %). Von Seiten der Gemeinde wurden vielerlei Anstrengungen unternommen, um diese Entwicklung zu stoppen, durch Aufschließung neuer Baugründe ebenso wie durch aktivere Belebung des Gesellschafts- und Vereinslebens.

Die vorhandenen Vereine agierten allerdings für sich alleine, ein Gemeinschaftsgefühl für die Gemeinde war nicht merkbar. Mit der Idee von Georg Walter zur Abhaltung der Dorf-Olympiade sollte Grafenschlag nach innen und nach außen ein neues attraktiveres Profil erhalten und das Gemeinschaftsgefühl angekurbelt werden.

Die Idee

Für 3 Tage sollte Grafenschlag der Mittelpunkt des Waldviertels sein. Sportliche Wettkämpfe zwischen Gemeinden einer Region, ähnlich den traditionellen Olympischen Spielen für Nationen, nützen den Lokalpatriotismus auf positive Weise, denn das Selbstbewusstsein der einzelnen Gemeinden steigt. Auf der anderen Seite förderte das gemeinsame Spiel und der verbindende Sport das Regionalbewusstsein. Für die Gemeinde Grafenschlag bedeutete die Durchführung einer derartigen völlig neuen Veranstaltung einen wesentlichen Imagegewinn.

Das Konzept

Einerseits sollte die optimale Ausnutzung der vorhandenen Ressourcen einer Gemeinde, indem alle Vereine und alle Bevölkerungsschichten, vom Kind bis zum Pensionisten, bedacht werden.

Andererseits die Berücksichtigung der lokalen und regionalen Strukturen, denn Vereine und Sportstätten, welche in der Gemeinde Grafenschlag vorhanden waren, wurden für die Bewerbe ausgewählt.

Der Gedanke war, dass Bewerbe, welche in einer 842 Einwohner starken Gemeinde wie Grafenschlag beschickt werden können, wohl ebenso in jeder der umliegenden Gemeinden existieren müssten.

Die Bewerbe

Die Auswahl der Bewerbe erfolgte unter größter Sorgfalt und mit Bedacht. Es sollten keine Juxbewerbe sein, sondern Bewerbe und Sportarten, die normalerweise das Gemeinschaftsleben einer Gemeinde bereichern. Jene Menschen, die sich freiwillig und ehrenamtlich engagieren, sollen bei den Dorfspielen in den Vordergrund gestellt werden.

Auf die ländliche Struktur wurde ebenfalls Rücksicht genommen. Ein weiteres wichtiges Kriterium war, dass es klare Kriterien für die Bewertung und unabhängige Schiedsrichter geben muss.

Die Teilnehmergemeinden

Bei den 1. Dorfspielen im Jahr 1995 nahmen 12 Gemeinden aus dem Bezirk Zwettl teil. Die Stadtgemeinde Zwettl, welche auch Interesse bekundet hatte, wurde in der Gesamtheit abgelehnt, da dies größenmäßig nicht fair gegenüber allen anderen Gemeinden gewesen wäre. Man einigte sich auf die Teilnahme von Katastralgemeinden, so kam Großglobnitz zu den Dorfspielen.

Jede teilnehmende Gemeinde nominiert eine Kontaktperson. Diesen Personen gebührt nach wie vor großer Dank - sie müssen es schaffen ihre Wettkämpfer zu begeistern und zu motivieren und den Kontakt zur Austragungsgemeinde halten.

Das Maskottchen

Im Jahr 1994 wurde in den Volksschulen der Teilnehmergemeinden ein Zeichenwettbewerb durchgeführt, gesucht wurde der "Oly-Gockel". Der Gockel der 6jährigen Martina Frosch aus der Volksschule Großgötttfritz ist bis heute das offizielle Maskottchen der Waldviertler Dorfspiele.

Die Preise

Bei den 1. Waldviertler Dorfspielen erhielt die Siegergemeinde ein Kinderspielhaus im Wert von 30.000,- Schilling. Alle Medaillen und Pokale waren dem Waldviertel entsprechend aus Holz. Jede Teilnehmergemeinde erhielt einen geschnitzten Gockel als Anerkennung fürs Mitmachen.

Die Versorgung

Nach dem Grundsatz, alle Ressourcen der Gemeinde zu nutzen, wurde auch die Verpflegung der Veranstaltung von den Wirten der Gemeinde durchgeführt. An Wettbewerbsstätten, wo zusätzliche Verpflegung notwendig war, übernahmen Vereine, welche ihrerseits Getränke und Nahrungsmittel ebenso von den heimischen Kaufhäusern bezogen.
Zusätzlich wurde den Bio-Bauern der Region die Präsentation ihrer Waren ermöglicht.

Die Fortsetzung

Die Waldviertler Dorfspiele werden im Zweijahres-Rhythmus abgehalten. Die Siegergemeinde hat das Recht der Austragung der nächsten Dorfspiele, es sei denn, diese sieht sich nicht in der Lage sie durchzuführen oder hat dies bereits getan. In diesem Fall wird der nächstplatzierten Gemeinde das Recht zur Austragung der kommenden Dorfspiele eingeräumt.

Die austragenden Gemeinden

  1. 1995 Grafenschlag
  2. 1997 Schweiggers
  3. 1999 Großglobnitz
  4. 2001 Echsenbach
  5. 2003 Göpfritz an der Wild
  6. 2005 Schwarzenau
  7. 2007 Allentsteig
  8. 2009 Sallingberg
  9. 2011 Ottenschlag
  10. 2013 Pölla
  11. 2015 Waldhausen
  12. 2017 Kottes Purk
  13. 2019 Pölla
  14. 2022 Göpfritz an der Wild

Die Waldviertler Dorfspiele fördern Teamgeist, Gemeinschaft und Nachbarschaft, und zeigen doch sehr deutlich, wie gut das Miteinander in einer Gemeinde funktioniert.